Regierung lässt Bahnreisende ohne Ticket stehen

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Die Bahn baut im ländlichen Raum systematisch Fahrkartenautomaten ab und schließt Reisezentren. Zuletzt fragten sich Menschen in der Region Saalfeld-Rudolstadt, wie sie künftig ohne einen analogen Fahrkartenverkauf der Bahn an ihre Tickets kommen sollen.

Auf eine Anfrage des Jenaer LINKEN-Abgeordneten Ralph Lenkert im Bundestag, ob nach Auffassung der Bundesregierung der systematische Abbau von Ticketverkaufsstellen die Umsetzung des UN-Übereinkommens für Menschen mit Behinderung gefährde, antwortete das Bundesministerium für Verkehr und Digitales ernüchternd.

Demnach sei der Zugang zu Bahntickets durch die Möglichkeit der Online-Buchung gewährleistet und es läge in der Eigenverantwortung der Bahn, den Fahrkartenverkauf zu organisieren.

Dazu erklärt Ralph Lenkert, Bundestagsabgeordneter der LINKEN aus Jena und klimapolitischer Sprecher der LINKEN-Gruppe im Bundestag:

„Diese Aussage aus dem Verkehrsministerium ist an Zynismus nicht zu überbieten. Das ist eine Zumutung und ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich nicht auf den Zwang der Bahn-App einlassen können oder möchten. Das Online-Ticket setzt unabhängig von Alter und Einschränkungen von Menschen das Vorhandensein der technischen Mittel voraus. Es setzt voraus, dass sich Kundinnen und Kunden auf das Online-Bezahlsystem der Bahn einlassen. Das ist nicht nur bedenklich in Sachen Datensicherheit, sondern exkludiert gezielt Menschen, die keine Möglichkeit zur Online-Bezahlung haben.

Die Ausrede, dass der Fahrkartenverkauf in der Eigenverantwortung der Eisenbahnunternehmen liege, ändert nichts an der Tatsache, dass der Bund immer noch Mehrheitseigentümer der Bahn ist – und Mobilität zur Daseinsvorsorge gehört und ermöglicht sein muss, auch ohne PKW.

Aber es passt ins Bild dessen, was die Ampelregierung mit der FDP den Menschen im Land zumutet: immer mehr Privatisierung zu Lasten der Allgemeinheit. Anstatt leichteren Zugang zu ökologisch nachhaltiger Mobilität zu schaffen, verschlechtert die FDP systematisch die Möglichkeiten für die bürgernahe Verkehrswende. Investitionen in die desolate Bahn liegen wegen der Schuldenbremse nun ebenfalls auf Eis. Die Ampelregierung treibt die Geduld der Menschen mit solch ignoranten Auffassungen weiter auf die Spitze und demontiert aktiv das Vertrauen in Politik und unsere Demokratie.“

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