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Internationaler Austausch und Argentinische Atomkraft

 

Donnerstag, 13. Oktober

Der Donnerstag beginnt 8:30 Uhr mit einer Fahrt zur Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer. Die Kammer wünscht ein Assoziierungsabkommen zwischen Mercosur (Gemeinsamer Markt Südamerikas) und der EU, das bereits seit 14 Jahren verhandelt wird, aber nicht vorankommt. Es wird über ein argentinisches Projekt informiert, dass Kooperationen zwischen zwei Hochschulen fördert, die Bedingung dafür ist jeweils ein Drittel der Ausbildung im jeweils andere Land zu verbringen, dafür bekommen die Absolventen zwei Abschlüsse. Zudem sponsert VW eine Berufsschule, die eine duale Ausbildung anbietet. Mit diesem System gibt es in Argentinien einige Probleme. Ich denke, dass eine duale Ausbildung sicherlich partiell sinnvoll ist, aber mehr im Interesse der Beschäftigten und nicht anhand des Unternehmensbedarfs umgesetzt werden sollte.

Zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr gibt es im Parlament ein Gespräch mit Senatoren und Abgeordneten. Unter anderen zu den Themen Hochschulaustausch, den Problemen bei der Ausbildung von Pädagogen und dem sehr großen Bedarf nach ihnen und der Anerkennung der gegenseitigen Hochschulzugangsberechtigung. Im Fokus steht der Wunsch nach einem vermehrten Austausch zwischen Studierenden. Dabei habe ich den Eindruck, dass Argentinien alternative Partner zu den USA und China sucht.

Anschließend besichtigt die Delegation das Parlament und es gibt ein Mittagessen. Ab 15:00 spricht der Leiter der Abteilung ‚Internationale Zusammenarbeit‘ des Wissenschaftsministeriums mit uns. Argentinien will anwendungsorientierter forschen, dabei können deutsche Institutionen helfen. Das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum soll stärker unterstützt werden, es gibt bereits gemeinsame Studiengänge und einige hundert Studierende. Dabei soll ein Schwerpunkt der argentinischen Forschung die Effizienz der Energieversorgung sein. Dafür wird bald ein Atomkraftwerk eröffnet, obwohl die Endlagerfrage ungeklärt ist. Für die bereits geplanten zwei weiteren Atomkraftwerke sollen die Sicherheitsaspekte nachverhandelt werden. Ich vermute und hoffe, dass die jetzige Regierung aus den Verträgen aussteigen und vermehrt auf erneuerbare Energien setzen möchte.

Ab 16:00 Uhr besuchen wir das Max-Planck-Institut für Biomedizin, das mit Zeiss-Mikroskopen ausgestattet ist. Hier wird versucht, Neuronen zu erforschen und Lösungen für degenerative Nervenerkrankungen zu finden.

Nach einer kurzen Pause wird beim Arbeitsabendessen beim deutschen Botschafter mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wieder über viele Themen gesprochen. Unter anderem geht es um die allgemein schlechte Schulbildung, da es vor allem auf den kostenlosen und leider schlechten Schulen viele Abbrechende gibt. Die Lehrer sind deutlich unterbezahlt und können durch noch Zweit- oder Drittarbeitsstellen keine qualitative Bildung gewährleisten. Die Privatschulen als einzige Möglichkeit für gute Grund- und Sekundarschulbildung führt zu Verschuldung und Ausgrenzung. Argentinien investiert 6 % des BIP in Bildung und möchte dies auf 10 % steigern, dabei haben sie wie in Deutschland ein föderales System. 22:30 Uhr ist der Tag mit der Fahrt zurück ins Hotel beendet.

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