Berufsschulen und Militär
Früh 8:00 Uhr starten wir unsere Fahrt zum Lehrerbildungsinstitut und zu Insalco, dort haben wir bis 9:45 Uhr ein Gespräch. Das Institut bildet Lehrer für Deutsche Schulen aus – es handelt sich um recht konservative Eliteschulen. Die Bildung in Chile hat bisher den Charakter einer „Dienstleistung“ und muss bezahlt werden, kostenfreie Schulen haben hier leider mindere Qualität. Für eine halbwegs passable Schulbildung zahlt man hier 500-700 Euro pro Monat. Entsprechende Verschuldungen ergeben sich nach dem Studium. Die Universitäten in Chile sind zu 60 Prozent privat, 40 Prozent sind staatlich oder katholisch. Die jetzige Regierung engagiert sich für kostenlose Bildung, seit 2016 sind die unteren 50 Prozent der Einkommen von Gebühren befreit, ab nächstem Jahr sollen es 60 Prozent sein. Die Gegenfinanzierung für Hochschulen fehlt in Chile völlig. Insalco ist eine Berufsschule nach deutschem Vorbild – die meisten Schüler kommen aus deutschen Schulen oder haben zeitweilig in Deutschland gelebt. Insalco bildet heimische Fachkräfte für deutsche Firmen in drei kaufmännischen Berufen. Sie ist sehr beliebt, weil hier keine Selbstbeteiligung an den Kosten erhoben wird.
Gegen 10:30 Uhr fahren wir zum Bildungsministerium und einem Gespräch mit der Staatssekretärin. Die bestätigt uns die Aussagen, die wir vorhin in der Insalco-Berufsschule gehört haben. Das Problem sei, dass die Regierung zwar die Steuern erhöhen will, sich aber nicht traut, weil sie einen Konflikt mit dem Militär fürchtet, in welchem die Generalität vom reichem Unternehmer- und Beamtentum gestellt wird (meine Interpretation). Die Armee ist nach wie vor ein Staat im Staate.
Um 11:30 Uhr fahren wir nach Valparaiso zum Parlament. Dort nehmen wir bis 16:00 Uhr an einem Gespräch beim Essen mit chilenischen Abgeordneten aller Parteien von politisch links bis rechts teil. Die Regierungskoalition repräsentiert die Mitte mit einer Opposition aus Links und Rechts (fast Faschisten – rechter als Pinochetverehrer).
Von 16:30 bis 18:00 Uhr nehmen wir an einer Stadtführung teil. Wieder fallen die extremen sozialen Gegensätze auf und es gibt Gentrifizierung (erinnert an Kreuzberg – aber es gibt schöne und vor allem auch politische Graffiti).
18:00 Uhr besuchen wir ein mit der Max-Planck-Gesellschaft kooperierendes Zentrum für Neurowissenschaften. Es ist sehr innovativ, allerdings bekam ich den Eindruck, die MPG verlagert in Europa schwierig zu genehmigende Tierversuche (Essigfliegen, Zebrafische und eine Wurmart) nach Chile. Anschließend gab es Abendbrot in Valparaiso mit Konsul und deutschen Vertretern der Universitäten in Valparaiso.







