Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Wer heute Natur erhält, muss morgen nicht renaturieren

Rede hier anschauen:
https://www.youtube.com/watch?v=Gujp-c1MAP0



Sehr geehrter Herr Präsident!

Seien wir ehrlich, meine Damen und Herren: Wie oft machen wir uns klar, dass Globalisierung, Wegwerfgesellschaft, Renditeerwartungen von Aktionären, die Fixierung auf das BIP-Wachstum zu explodierendem Energie- und Ressourcenverbrauch führen und damit Umweltzerstörung und Klimaerwärmung verursachen. Ja, Umweltschutz ist Klimaschutz; das wissen wir alle - okay, fast alle.

(Beifall bei der LINKEN)

Aber handeln wir auch danach?

Die Grünen fordern 2 Milliarden Euro pro Jahr mehr für internationalen und nationalen Klima- und Umweltschutz. Diese Forderung unterstützen wir.

(Beifall bei der LINKEN)

Wir können die Forderungen im Antrag komplett unterschreiben. Allerdings sind sie nicht konkret genug. Damit werden viele gesellschaftliche Widersprüche übersehen. Ein Beispiel: Die Renaturierung von Bächen und Flüssen bringt mehr Hochwasserschutz, hält Wasser in der Fläche, fördert so die Grundwasserneubildung; Auwälder und Überflutungswiesen können entstehen; vom Aussterben bedrohte Wanderfischarten wie Stör, Lachs und Neunauge bekommen eine Chance; weniger Nährstoffe gelangen in die Meere, und es ist auch nicht schlecht, wenn dadurch die Algenblüte in der Ostsee geringer ausfällt. Insgesamt wird somit CO2 gebunden.

(Beifall bei der LINKEN)

Also: Ja, Umweltschutz ist Klimaschutz. Dafür steht Die Linke, dafür kämpfe auch ich.

Der Rückbau von Staustufen und Wehren, die Verlegung von Deichen, die Neuplanung von Uferbefestigungen sind notwendig, und dafür braucht es Geld - ja, und auch dafür steht Die Linke.

(Beifall bei der LINKEN)

Aber die Interessen sind halt verschieden. Flussbegradigungen, der Bau von Wehren und Deichen erfolgten doch nicht einfach so. Man sicherte damit Siedlungsraum, gewann Ackerflächen. Einfache Hochwasser wurden besser abgewehrt, die Flussschifffahrt und der Wassertourismus gefördert - ja, und erneuerbarer Strom aus Kleinwasserkraftanlagen gewonnen.

Die negativen Folgen dieser Maßnahmen erkannte man erst später. Die Kosten für Schäden bei Extremhochwässern und Dürren vervielfachten sich. Durch die Querbauwerke wurden Wanderfischarten fast ausgerottet, der Sedimenttransport in den Flüssen unterbunden. In den aufgestauten Gewässern bildet sich Methan und zerstört das Klima. Und die Turbinen der Kleinwasserkraftwerke töten Fische und vernichten Aalpopulationen. Wegen all dieser Probleme ist die Renaturierung unserer Flüsse unerlässlich. Aber sie muss zwingend mit sozialen und wirtschaftlichen Ausgleichsmaßnahmen verbunden werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Deshalb fordert Die Linke:

Erstens. Kleinwasserkraftanlagen stilllegen und dafür Solaranlagen auf Dächern und Energiespeicher fördern.

(Beifall bei der LINKEN)

Zweitens. Landwirtschaftsbetriebe bei der Umstellung auf extensives Wirtschaften in Überflutungsgebieten unterstützen und einen Verdienstausgleich für die Einnahmeverluste garantieren.

(Beifall bei der LINKEN)

Drittens. Eine Wohnraumumwandlung in Städten verbieten, Geschosswohnungsbau fördern und die Mieterrechte stärken; denn das reduziert Flächenbedarf.

(Beifall bei der LINKEN)

Viertens. Eine Regionalisierung der Wirtschaft verringert Transporte. Eine Förderung des Bahnverkehrs schafft den Ausgleich für wegfallende Schifffahrtskapazitäten. Übrigens: Wassertourismus auf natürlichen Flüssen ist doch viel attraktiver, als von Wehr zu Wehr zu paddeln.

(Beifall bei der LINKEN)

An diesem Beispiel erkennen wir alle, wie komplex es ist und wie alles mit allem verbunden ist. Bei der Wiedervernässung von Mooren, bei der Ausweitung des Grünlandes, bei der Umgestaltung von Wirtschaftswäldern zu Urwäldern wird es weitere und große Konflikte geben, und die müssen angegangen werden. Aber das Klügste wäre doch, dass man gar nicht erst renaturieren muss, weil man die Natur vorher erhalten hat.

Tag für Tag gehen in Deutschland 52 Hektar Fläche verloren für den Neubau von Verkehrsinfrastruktur und das Wachsen der Städte. Um es mal deutlich zu machen: Alle sechs Monate wird die Insel Sylt komplett überbaut - verlorenes Land für die Natur, für die Landwirtschaft, für uns alle. Das müssen wir stoppen! Wir müssen den Flächenverbrauch auf null bringen!

(Beifall bei der LINKEN)

Und da wäre der Stopp des Baus der A 49 durch die schwarz-grüne Regierung in Hessen ein Anfang.

Aber auch der Stopp der Planungen für den Ausbau der Oder, für den Ausbau der Mittleren Elbe wäre notwendig; denn diese gefährden intakte Ökosysteme, die dann mit Millionenförderung woanders wieder installiert werden sollen. Diesen Schwachsinn sollte man endlich beenden.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich wiederhole: Das Klügste ist der Schutz der Natur, die wir haben. Und da denke ich auch an die Buchenwälder im Nationalpark Hainich in meiner Heimat in Thüringen. Die Dürre der letzten Jahre hat diesem und allen anderen Wäldern des Weltnaturerbes Buchenwälder schwer zugesetzt. Wir fordern hier seit Jahren finanzielle Mittel für den Erhalt dieser wertvollen Naturlandschaften. Ich hoffe, dass im nächsten Bundeshaushalt diese Forderung endlich umgesetzt wird.

(Beifall bei der LINKEN)

Liebe Bürgerinnen und Bürger, wir müssen die Erde als Ganzes betrachten. Wie soll man einem Menschen verbieten, den letzten Fisch eines Flusses zu essen, wenn seine Alternative das Verhungern ist? Wir können die Umwelt nur retten, wenn wir Armut und soziale Spaltung überwinden. Soziale Gerechtigkeit in Deutschland und weltweit ist die unverzichtbare Basis für einen erfolgreichen Klima- und Umweltschutz. Dafür steht Die Linke.

(Beifall bei der LINKEN)

Nur links schafft grün - grün geht nur rot.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN - Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das war ein Eintrittsgesuch!)