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Rede zu Protokoll: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes zur marktgestützten Beschaffung von Systemdienstleistungen

Sehr geehrte Frau Präsidentin,

Kolleginnen und Kollegen,

Für eine stabile Stromversorgung braucht es Systemdienstleistungen, damit an der Steckdose immer 230 Volt und 50 Hz anliegen und damit Stromausfälle die Ausnahme sind. Zugegeben die Änderungen des Energiewirtschaftsgesetzes EnWG sind sehr technisch. Blindstromkompensation, Spannungshaltung, auch Schwarzstartfähigkeit nach einem Black out sind unverzichtbare Dienstleistungen  für eine sichere Stromversorgung, egal ob der Strom aus Kohlemeilern oder erneuerbaren Energien stammt.

Diese Systemdienstleitungen können über regulatorische oder über marktbasierte Wege bereitstellt werden. Dass die Union trotz ihrer Marktfixierung beide Wege offen lässt, sieht DIE LINKE positiv.

Trotzdem werden wir uns enthalten, wir meinen, dieser Entwurf ist nicht ausreichend.

Insbesondere mit jedem GW neu installierter Photovoltaik wächst der Bedarf an notwendigen Kurzzeitspeichern.

Schon 2040 sollen bei 100 GW Spitzenlast über 138 GW Leistung Photovoltaik installiert sein. Jeden sonnigen Mittag wird dann für wenige Stunden viel mehr Strom produziert als benötigt wird.

Ohne Speicher ist es unmöglich, Erzeugung und Stromverbrauch abzustimmen. Deshalb ist für DIE LINKE eine weitere Systemdienstleistung die Kurzzeitspeicherung unverzichtbar.

Als Techniker kann ich Ihnen versichern, heute wäre es unmöglich den Überschuss von 38 GW Erzeugung nur für eine Stunde zu speichern. 38 GWh in Batteriespeichern sind schwer vorstellbar und selbst das größte deutsche Pumpspeicherwerk in meiner Heimat Thüringen kann nur 8 GWh speichern.

Der Bau von großen Kurzzeitspeichern erfordert Jahre für  Planung und Bau, bereits gestern hätten die Voraussetzungen geschaffen werden müssen.

Deshalb, ich wiederhole, fordert DIE LINKE Kurzzeitspeicher als Systemdienstleistung im ENWG zu verankern. Und der Erhalt bestehender Speicher - wie Pumpspeicherwerken - muss abgesichert werden.

Wenn ich gerade bei Speichern bin: Es braucht einen Langzeitausgleich zwischen stromreichen Zeiten im Frühjahr und Herbst und Dunkelflauten im Winter. Dafür muss im EnWG Sektorkopplung, also die  Vernetzung von Strom- Gas und Fernwärmesystemen mit Verkehr und Industrie, besser geregelt werden. 

Es geht um Bedarfe zwischen 50 und 100 TWh Energie. Egal, ob diese Speicherung über Nutzung gespeicherter chemischer Energie, Lastanpassung über Wochen, aufgesparte Biomasse oder andere Wege erfolgt, es muss geregelt werden.

Regional ist diese Komplexität leichter beherrschbar als im nationalen oder europäischen Gesamtsystem. Kommunale Stadtwerke sind der ideale Akteur, um Strom, Gas, Wärme und Verkehr zusammenzubringen. Deshalb fordert DIE LINKE, unser Energiesystem so dezentral wie möglich und so zentral wie nötig aufzubauen. Wir müssen jetzt beginnen.

Danke.