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Extremwetter - Wir müssen uns anpassen. Schnell.

Auf mehrere Jahre Dürre folgen jetzt katastrophale Regenfälle und Hochwasser. Dass der Klimawandel solche Extreme wahrscheinlicher macht, ist seit Jahrzehnten bekannt. Und gerade wegen des Schreckens der vergangenen Tage ist es entscheidend, klar zu sagen, dass auf einer weniger erwärmten Erde solche Ereignisse zwar nicht nie, aber weniger oft auftreten. Schutz vor extremen Wetterlagen ist seit jeher nötig und in Zukunft noch wichtiger.

Nicht nur technischer Hochwasserschutz oder baulicher Schutz vor Stürmen und anderen Naturkatastrophen, sondern auch die Vorwarnzeit und die Kommunikation spielen bei der Katastrophenprävention eine erhebliche Rolle. Die Bundesregierung genießt ein Verlautbarungsrecht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das bedeutet, sie ist jederzeit in der Lage, für Warnungen vor konkreten Gefahren das Programm zu unterbrechen. Was in anderen Ländern gang und gäbe ist, wird in Deutschland vernachlässigt. Dabei könnten hier Leben gerettet werden. Es wird darauf gesetzt, dass sich Menschen mit Katastrophenwarn-Apps für ihr Mobiltelefon ausstatten. Damit diese funktionieren, muss eine funktionierende Datenverbindung bestehen. Für den Empfang des digitalisierten Rundfunks darf der Strom nicht ausfallen. Klassische analoge terrestrische Empfänger gibt es immer seltener, Festnetztelefonie erfordert eine funktionierende Internetverbindung. Die Vorteile der digitalisierten Welt haben Nebenwirkungen. Kommunikationswege zwischen Bevölkerung und Behörden sind viel anfälliger geworden. Informationsfreiheit ist deshalb nicht nur eine Frage von Mobilfunkbetreibern und Internetkonzernen. Sie muss wieder als staatliche Aufgabe der Daseinsvorsorge verstanden werden.

Angefangen bei solchen systematischen Problemen, die sich im unmittelbaren Katastrophenmanagement ergeben, wozu übrigens auch die Ausstattung von Feuerwehren mit moderner Ausrüstung gehört, geht es darum, die Folgen solcher Extremereignisse abzumildern. Wir können sie nicht verhindern, aber wir können viel dafür tun, dass ihre Auswirkungen nicht so verheerend sind.

Die Bebauung von Flussauen, Begradigung von Flüssen, Besiedlung natürlicher Retentionsflächen, Verrohrung von Bächen, Versiegelung von Flächen – all diese Probleme sind im Zusammenhang mit den Bemühungen um Hochwasserschutz seit Jahrzehnten bekannt. Der Handlungsbedarf liegt hier auf der Hand und wird zu oft nur nach großräumigen Hochwasserlagen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wir müssen Deiche zurückverlegen, Flüssen und Bächen ihren natürlichen Raum, soweit es geht, zurückgeben. Bebaute Ufer, Bach- und Flussauen stören den natürlichen Wasserabfluss erheblich. Viel unbebauter Platz für sich natürlich schlängelnde Flüsse und Bäche senken im Hochwasserfall die Fließgeschwindigkeit, was wiederum das Schadenspotential erheblich senkt. Wir schlagen vor, dass sich Wasserwirtschaftsverbände um die Renaturierung von Gewässereinzugsgebieten kümmern. Sperrbauwerke und Engstellen müssen beseitigt werden. Die Fraktion DIE LINKE nimmt diese Aufgaben sehr ernst.

Das Beispiel Thüringen zeigt, wie es gehen kann. Dort wurde die Talsperre Zeulenroda für Hochwasserschutz und Tourismus instandgesetzt. Etliche ehemalige Bewässerungsspeicher der Landwirtschaft wurden für den Schutz vor Starkregen saniert. Dämme von Teichen und Stauanlagen wurden überholt, um deren Stabilität zu erhöhen. In Sömmerda hat der Bürgermeister der LINKEN lange für die Renovierung des Schöpfwerks gekämpft. Diese ist jetzt abgeschlossen und auch hier wurde der Hochwasserschutz verbessert.

Jetzt handeln

Hochwasserschutz muss mittelfristig mit Dürrevorsorge Hand in Hand gehen. Regen, der in sehr kurzer Zeit in hoher Intensität fällt, fließt hauptsächlich einfach ab und trägt nicht zur Bildung von Grundwasser bei, das in Dürrezeiten so dringend gebraucht wird. Um Wasser in der Fläche zu speichern, braucht es nicht immer Rückhaltebecken und Sperrwerke. Wälder können doppelt so viel Wasser speichern wie freie Grasflächen. Mischwälder können dabei noch mal wesentlich mehr Wasser speichern als Nadelwälder. Gerade in Dürrezeiten sind Laub-Mischwälder erheblich weniger anfällig für Brände. Der ökologische Waldumbau und Aufforstung sind also nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern konkrete Ansätze zur Dürre- und Hochwasserprävention.

Wie dringend all diese Maßnahmen sind, zeigen die vergangenen Jahre. Verlust von Menschenleben, erhebliche Infrastrukturschäden, Wirtschafsteinbußen, Ernteeinbußen und irgendwann vielleicht auch die Frage nach Trinkwasser sind reale Probleme, denen wir uns stellen werden. Wir müssen uns anpassen. Schnell.