12. Dezember 2018

»MdB müssen alle Tatsachen ihrer Themengebiete verstehen und in ihre Arbeit mit einbeziehen, nur so können sie optimal für die Bevölkerung arbeiten.«

Herr Lenkert, Sie sind seit 2009 Mitglied des Bundestages und seit 5 Jahren Berichterstatter für TA. Was war Ihre Motivation, diese Funktion erneut zu übernehmen?

Im Umweltbereich ist man oft mit der Lösung von Problemen beschäftigt, diedurch technische Entwicklungen ausgelöst wurden, wie zum Beispiel die Atommüllendlagerung oder das Ozonloch ausgelöst durch FCKW. Wäre es nicht klug, im Vorfeld neben Chancen auch Risiken zu erkennen und zu bewerten und damit negative Auswirkungen zu vermeiden, bevor sie entstehen? Genau diese Arbeit macht das TAB und hilft mir bei meiner politischen Arbeit. Und deshalb arbeite ich gern als Berichterstatter. 

Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse in Zeiten von Fake News in der politischen Entscheidungsfindung eine stärkere Rolle einnehmen?

Es ist wichtig, dass Wissenschaftler sich die Zeit nehmen, Erkenntnisse verständlich zu erklären. Selbst als Allgemeinwissen betrachtete Positionen müssen stets erneut begründet werden. Wichtig ist Vertrauen, dazu gehört es, dass Forscherinnen und Forscher auch offene Fragen benennen und negative Auswirkungen benennen. Wir müssen den Abwägungsprozess, den Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker treffen, für jeden Interessenten nachvollziehbar machen. Da sind wissenschaftliche Erkenntnisse unverzichtbar. Fake News müssen mit wissenschaftlichen Tatsachen entkräftet werden, auch wenn dies mit einem großen Zeitaufwand verbunden ist.

Welche Erwartungen und Wünsche haben Sie speziell an die parlamentarische TA in der laufenden Wahlperiode?

Ich erwarte, dass die parlamentarische TA gestärkt wird. Wir werden uns mit den Auswirkungen der Digitalisierung in allen Lebensbereichen befassen. Ein kritisches Gebiet ist die Gentechnik für oder an Menschen. Sie wird kommen, egal wie kritisch man dies sieht. Ich wünsche mir, dass das TAB Vorschläge zur Nutzung der Chancen und Reduzierung der Risiken anstößt. Ich hoffe, dass die Abgeordneten aller Fraktionen die Berichte des TAB mehr in ihre Arbeit einbeziehen. MdB müssen alle Tatsachen ihrer Themengebiete verstehen und in ihre Arbeit mit einbeziehen, nur so können sie optimal für die Bevölkerung arbeiten. Die TA ist dafür ein wichtiger Eckpunkt.

Wie kann das TAB den Bundestag in wissenschaftsbezogenen und technologiepolitischen Fragen noch besser informieren?Sinnvoll fände ich, das Format von Kurzprofilen zu den ausführlichen TAB-Berichten auszuweiten, denn die Erarbeitung der langen Berichte ist zwar grundlegend richtig und wichtig, um das Thema in seiner Komplexität zu erfassen und darzustellen,

eine Aufbereitung von Zusammenfassungen zu den Berichten jedoch würde vielleicht dabei helfen, dass mehr Abgeordnete die Ergebnisse auch für ihre Arbeit als Gesetzgeber nutzen. Denn Zeitmangel ist leider für viele MdB ein reales Problem.

Welche Forschungsfragen interessieren Sie persönlich besonders?

Ich interessiere mich insbesondere für die Ergebnisse des Ende 2018 erscheinenden TAB-Berichts zur Lichtverschmutzung. Dieses Feld ist bisher weitestgehend unerforscht und dessen Ausmaße sind nicht abschätzbar.

Zudem sollten mehr Erkenntnisse darüber gesammelt werden, welche Auswirkungen elektromagnetische Strahlungen auf den Menschen und die Umwelt haben. Smartphones, Tablets und viele weitere technische Geräte sind alltäglich und für die meisten nicht mehr wegzudenken. Es ist wichtig, die möglichen Risiken für zukünftige Generationen rechtzeitig zu kennen und zu verringern.