19. Oktober 2018

Ja zur Beschränkung des maritimen Geoengineerings

Sehr geehrter Herr Präsident,

verehrte Kolleginnen und Kollegen,

Was ist der Unterschied zwischen neuen Medikamenten und Geoengineering?

Es gibt keinen.

Beide können vielleicht Symptome lindern.
Bei beiden sind die Nebenwirkungen unbekannt.

Allerdings werden bei Medikamenten im Labor in kleinen Studien in langen Versuchsreihen mögliche Nebenwirkungen ermittelt.

Gibt es zu viele Risiken, hört man auf. Bei kleinen Problemen werden diese auf dem Beipackzettel vermerkt. Das Risiko ist relativ abschätzbar, aber trotz dieses Aufwandes geht es manchmal richtig schief, wie bei der Thrombosegefahr durch Anti-Baby-Pillen. In solchen Fällen wird dem Medikament die Zulassung entzogen, es wird aus dem Kreislauf entfernt und richtet zukünftig keinen Schaden mehr an.

Geoengineering, also Verfahren, die Abläufe im Wasser, in der Atmosphäre verändern sollen, kann man nicht einfach zurücknehmen, nicht aus den Kreisläufen wieder entfernen.

Daher begrüßen wir, dass die Bundesregierung aus dem 2009 fehlgeschlagenen Geoengineeringversuch im Südpolarmeer lernte.

2009 wurden 300 Tonnen Eisensulfat als Dünger für mehr Algenwachstum im Meer verteilt. Wie erwartet, wuchsen deutlich mehr Algen. Dann glaubte man, dass diese mit dem Tod absinken und damit das CO2 am Meeresgrund in den toten Algen bleibt. Doch leider explodierten dank des vielen Futters die Bestände an Ruderkrebsen. Diese fraßen die Algen, bevor die den Grund erreichten, und das CO2 war wieder im natürlichen Kreislauf.

Erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckte man an unterirdischen Vulkanschloten Bakterien, die von Schwefel leben. Wir wissen weniger über den Tiefseegrund als über die Mondoberfläche.

Wie würde der Temperaturanstieg steigen, wenn am Meeresgrund unerwartet Bakterien leben, die tote Biomasse in Methan umwandeln und das dann nach oben steigt –  dann wäre eine Algendüngung verheerend für das Klima!

 

Wir unterstützen daher das Verbot einer kommerziellen Düngung in den Meeren. Es ist gut, dass leichtsinnigen Geoengineering-Versuchen ein Riegel vorgeschoben wird.

Welche Auswirkungen globale „Laborversuche“ an der Biosphäre haben können, zeigte uns die jahrzehntelange Freisetzung von FCKW. Das durch FCKW verursachte Ozonloch erhöhte die UV-Belastung auf der Erdoberfläche. Ohne die Ozonschicht in der Stratosphäre wäre derzeitiges Leben kaum möglich.

Die Treibhausgas-Emissionen des letzten Jahrhunderts sind ungewolltes Geoengineering. Fehler bekämpft man nicht durch dieselben Fehler.

Wenn wir also über Geoengineering reden, reden wir dem Grundsatz nach nicht über Maßnahmen des Klimaschutzes, sondern um hochrisiko-behaftete Symptombekämpfung.

Statt uns mit neuen Risiken zu belasten, müssen wir die Ursachen des selbstgemachten Klimawandels so schnell wie möglich abstellen. Das heißt: Kohleausstieg, Verkehrswende, Energiewende – so schnell wie möglich. Wer auf Geoengineering setzt oder wer den menschengemachten Klimawandel leugnet, hat es heute bequem. Aber ausblenden, aussitzen und die Schuld auf andere schieben, verhindert nicht die sich anbahnende Katastrophe.

DIE LINKE begrüßt deshalb den eingebrachten Gesetzentwurf zur Beschränkung des marinen Geo-Engineerings. Wir halten den Gesetzentwurf für richtig und wichtig und stimmen ihm zu. Das ist die wirkliche Frage der Generationengerechtigkeit.